Der Showstopper? Wohin mit dem Regenwasser
Ein unschöner Anruf
Ende Juli haben wir Wasser und Baustrom für unser Grundstück beantragt – ein Routineschritt, dachten wir. Kurz danach kam ein unschöner Anruf der Stadtwerke: Das Mischwasser, so wie wir es geplant hatten, kann nicht in die Kanalisation.
Der Grund liegt im Tal: Die Pumpe dort ist nur für Schmutzwasser ausgelegt – nicht für die zusätzlichen Wassermassen, die bei Regen von unserem Dach kämen. Die Empfehlung der Stadtwerke: Wir sollen das Regenwasser selbst auf dem Grundstück versickern lassen und dafür eine Rigole bauen.
Die Rigole scheitert am Lehm
Für eine Rigole braucht man allerdings einen Boden, der das Wasser auch aufnimmt. Wir haben uns mit unserer Architektin, dem Bauleiter und dem Geoinstitut abgestimmt, das unsere Bodenbeprobung gemacht hat – mit klarem Ergebnis: Das geht nicht.
Unser Grundstück sitzt bis in 3 Meter Tiefe auf einer Lehmschicht. Und durch Lehm geht bekanntlich nichts durch. Eine Rigole würde bei uns einfach volllaufen.
Damit stand für einen Moment die Frage im Raum, ob das der Showstopper ist: Regenwasser, das nicht in den Kanal darf und auch nicht versickern kann.
Die Lösung: ein zweiter Kanal
Es folgte ein langes Hin und Her – und einmal die Eskalation bis zum Fachbereichsleiter. Dann zeichnete sich eine Lösung ab.
In unserer Straße gibt es noch weitere unbebaute Grundstücke, die früher oder später genau vor demselben Problem stehen würden. Deshalb bekommt die Straße einen zweiten Kanal spendiert. Weil unser Grundstück hoch genug liegt, schließt dieser Kanal direkt an den Kanal in der Hauptstraße an – an der Pumpe im Tal vorbei.
Für uns heißt das: Wir können unser Mischwasser wie geplant loswerden und müssen Regen- und Schmutzwasser nicht getrennt abführen. Keine Rigole, keine zweite Leitung – Geld gespart.
Erschlossen ist nicht gleich erschlossen
In diesem Gespräch haben wir noch etwas gelernt, das uns vorher nicht bewusst war: Grundstücke können auf zwei Arten erschlossen sein – unterirdisch und oberirdisch.
Unterirdisch erschlossen heißt: Die Leitungen und Kanäle liegen im Boden. Die oberirdische Erschließung – also eine fertig ausgebaute Straße – fehlt bei uns noch. Das bedeutet, dass wir irgendwann auch für eine „vernünftige Straße” mitbezahlen müssen. Wann das sein wird und was es kostet, wissen wir noch nicht.
Titelbild: Foto von Matthew Larsen auf Unsplash